Überlegungen vor dem Kauf

 

Ein Welpe erobert mit seinem niedlichen Aussehen und seiner drolligen Art alle Herzen im Sturm. Jedoch ist es eine Menge Verantwortung, die auf den Schultern der neuen Besitzer liegt. Es erfordert viel Geduld und Zuwendung, einige Nerven und jede Menge Zeit und Liebe, diesen kleinen Wollknäuel zu einem vollwertigen Mitglied der neuen Familie zu erziehen.

 

Vom ersten Tag an übernehmen Sie für ungefähr 15 Jahre die Verantwortung, ihm nicht nur Futter und Unterkunft zu geben, sondern auch Pflege, Vertrauen, Zuwendung, Beschäftigung und Erziehung.

 

Ehe Sie sich für den Kauf eines Welpen entscheiden, bitte ich Sie, folgende Geschichte zu lesen:

 

Wie konntest Du nur?

 Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich dich mit meinen Mätzchen und brachte dich zum Lachen. Du nanntest mich „dein Kind“ und trotz einer Anzahl von zerkauten Schuhen und einigen Sofakissen, die ich „ermordete“, wurde ich dein bester Freund. Wann immer ich „ungezogen“ war, zeigtest du mir mahnend den Zeigefinger und sagtest: „Wie konntest Du?“ - aber  dann hattest du dich sofort erweichen lassen und rolltest mich zur Seite, um  meinen Bauch zu kraulen. Meine Aufenthalte in der Wohnung wurden während deines Studiums immer länger, aber ich riss mich zusammen. Ich erinnere mich an jene  Nächte, als ich mich an dich im Bett ganze nahe anschmiegte und dir zuhörte, wie  du im Schlaf gesprochen hattest und ich glaubte, dass das Leben nicht vollkommener sein könnte.

 

Wir gingen in den Park, um dort lange spazieren zu gehen oder um herumzutollen, wir fuhren mit dem Auto irgendwohin, kauften uns ein Eis (Ich erhielt nur den Rest der Waffel mit ein wenig Eis, weil: „zuviel Eiscreme ist für Hunde nicht gesund“, sagtest Du.), und ich hielt im Sonnenstrahl, der durch die Balkontüre ins Wohnzimmer hineinschien, ein langes  Schläfchen und wartete so, bis du von der Arbeit nach Hause kamst.

 

Allmählich verbrachtes du mehr Zeit auf der  Arbeit als zu Hause mit mir, um „Karriere“ zu machen. Auch verbrachtest du nun sehr viel Zeit damit, um einen „menschlichen Partner“ finden zu können. Ich  wartete immer geduldig auf dich, tröstete dich bei Liebeskummer und deinen  Enttäuschungen und freute mich ebenso mit dir, als du Erfolg bei einer Frau hattest. Sie, jetzt ist sie deine Ehefrau, ist kein „Hundeliebhaber“, aber trotzdem begrüßte ich sie in unserem Heim, respektiere sie und zeigte ihr, dass ich sie mag. Ich war glücklich, weil du glücklich warst!

 

Dann kam die Zeit, in der Babys zur Welt kamen. Ich teilte die Aufregung mit dir. Ich war von der glatten Haut und vom angenehmen Geruch des Babys fasziniert, so dass auch ich sie bemuttern wollte. Aber du und deine Frau dachten nur daran, dass ich den Kindern schaden und sie  verletzen könnte. Daher musste ich die meiste Zeit nun verbannt in einem anderen  Raum verbringen, Oh, wie ich sie lieben wollte, aber es war mir vergönnt, denn  ich war ein "Gefangener der Liebe". Als sie dann größer waren, wurde ich ihr Freund. Sie zogen an meinem Fell, griffen auf wackeligen Beinen nach mir, stießen ihre Finger in meine Augen, forschten an meinen Ohren und gaben mir  Küsse auf meine Schnauze.

 

Ich liebte alles an ihnen, besonders ihre  Berührungen, weil Deine so selten wurden. Ich war soweit, dass ich die Kinder notfalls mit meinem Leben verteidigen würde. Ich war soweit, in ihre Betten zu schleichen, um ihren Sorgen und geheimsten Träume zuzuhören. Zusammen mit ihnen  das Motorengeräusch deines Autos zu erwarten, während du in die Einfahrt fuhrst.

 

Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du  ein Haustier hättest, zogst du aus deiner Brieftasche ein Foto von mir und  erzähltest mit vollem Stolz über mich. Die letzten Jahre antwortest du nur noch  mit „Ja“ und wechselst das Thema. Ich war früher „Dein Hund“ und bin heute „nur ein Hund“ und jede Ausgabe für mich wurde Dir zu einem „Dorn im Auge“!

 

Dann hattest Du eine neue  Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt, und du und deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Du hattest für dich und „deine“ Familie die richtige Entscheidung zu finden, obwohl es einmal eine Zeit gab, da war ich deine einzige Familie.

 

Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und  Katzen, nach Furcht und nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und  sagtest, dass du wissen würdest, dass man ein gutes Heim für mich finden würde.  Die beiden Damen hinter der Theke zuckten mit den Achseln und zeigten dir einen gequälten Blick. Sie wissen, was einen Hund „mittleren“  Alters erwartete – auch mit „Stammbaum“! Du musstest deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, während er weinend schrie: „Nein,  Papa, ich lass mir meinen Hund nicht wegnehmen!“ Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du
ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und
Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.

 

Kurz nachdem du gegangen warst, sagten die zwei netten Damen, dass du vermutlich Monate voraus vom Umzug wusstest und somit auch eine Möglichkeit vorhanden gewesen sein musste, einen „guten Platz“ für mich zu finden. Sie schüttelten ihre Köpfe und fragten "Wie konntest Du?"

 

Die beiden netten Damen hier im Tierheim widmeten uns ihre  ganze Aufmerksamkeit, wann immer es ihre Zeit zuließ. Sie fütterten uns täglich  und ausreichend, aber ich verlor meinen Appetit bereits vor Tagen. Anfangs rannte ich immer nach vorn ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam. Immer in der Hoffnung, dass du es bist, dass du deine Meinung geändert hättest und dass alles nur ein böser Traum war, oder ich hoffte, dass es zumindest jemand sein würde, der mich  mögen könnte, der mich retten würde.

 

Aber die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den liebenswerten, kleinen und so tollpatschigen Welpen aufnehmen konnte.  Weltvergessen in meinem eigenen Schicksal zog ich mich in eine ferne Ecke  zurück und wartete ab.

 

Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den „Gefangenen der
Liebe“ war die Zeit abgelaufen. Meiner Natur gemäß war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.

Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne ihre Wange  hinunterkullerte. Ich leckte ihre Hand in der gleichen Art und Weise, wie ich es bereits Jahre vorher tat, um dich zu trösten. Mit geübtem
Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Nachdem ich den Einstich und den Eintritt  der kühlenden Flüssigkeit in meinen Körper verspürte, lehnte ich mich schläfrig  zurück, schaute dabei in ihre gütigen Augen und murmelte: „Wie konntest Du nur?“

 

Möglicherweise verstand sie die Hundesprache, denn sie sagte: „Es tut mir ja so leid!“ Sie umarmte mich hastig und beeilte sich, mir zu erklären, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo ich nicht ignoriert, missbraucht oder  verlassen würde. Einem Platz, an dem ich mich nicht verstecken müsse, einen Platz der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort.

 

Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr, mit einem Klopfen meines Schwanzes verstehen zugeben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt.

Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten! Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.

 

Quelle: Jim  Willis (Text aus: „Die leise Stimme der Seele“)

 

Einige Worte des Autors:

 

Wenn Ihnen „Wie konntest Du nur?“ Tränen in Ihre Augen trieben, dann erging es Ihnen genauso wie mir, als ich dies schrieb. Jedermann ist  es erlaubt diese Geschichte weiterzugeben, solange es einem nicht kommerziellen Zweck dient. Erklären Sie der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung, ein  Haustier in eine Familie aufzunehmen, eine wichtige für das Leben ist, dass Tiere unsere Liebe und unseren Respekt verdienen.